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Am 14. Juli 2010 schreibt Ramsay Elkholi an Jeffrey Epstein. Schon der Einstieg wirkt beiläufig: „This is Masha“, dazu offenbar Fotos im Anhang. Doch hinter dieser scheinbar harmlosen Vorstellung öffnet sich ein Blick in eine der merkwürdigsten Schichten des Epstein-Netzwerks.
Elkholi ist keine bekannte Hauptfigur der Epstein-Geschichte. Er ist Musiker, Gründer der Band Mocotronic, Autor des Buches Being and Becoming und präsentiert sich als eine Art Philanthrop und Bewusstseinsforscher, der sich auch mit indigenen Kulturen beschäftigt.
In den E-Mails erscheint er jedoch in einer anderen Rolle: als jemand, der für Epstein Kontakte herstellt, vor allem in Osteuropa. Frauen werden gesucht, vorgestellt, bewertet. Nicht immer in dem naheliegenden sexuellen Kontext, den man bei Epstein sofort vermuten würde — aber gerade deshalb ist die Sprache so verstörend.
Die Frau, um die es hier geht, ist „Masha“. Gemeint ist Maria Drokova, eine damals junge, aber bereits auffällige politische Figur aus Russland. Sie war mit der Putin-nahen Jugendbewegung Nashi verbunden und wurde international unter dem Spitznamen „Putin’s Kiss“ bekannt, nachdem sie Wladimir Putin öffentlich geküsst hatte. Eine junge Frau also mit Symbolwert: politisch sichtbar, medial interessant, vernetzt, formbar.
Und genau so klingt die E-Mail.
Elkholi schreibt, er sei gerade in Riga. Masha habe ihm geschrieben. Epstein habe sie mit seinen Worten „gekillt“. Sie sei allein in New York, pleite, verzweifelt. Vielleicht könne sie vor Epstein in Dessous auftreten. Vielleicht könne er ihr helfen. Bis hierhin könnte man noch von einer Vermittlung sprechen: jemand ist in Not, jemand sucht Unterstützung.
Doch dann kippt der Ton.
Elkholi schreibt, Masha könne ein „ongoing project“ sein — ein langfristiges Projekt. Für ihn sei sie ein „großartiges Experiment“. Er beschreibt sie nicht wie eine autonome junge Frau, sondern wie Rohmaterial. Wie jemanden, den man beobachten, formen, testen, in eine bestimmte Richtung bewegen kann. Besonders irritierend ist die Passage, in der er davon spricht, ein Mädchen, das bis zum Alter von 23 Jahren noch nie einen Mann gehabt habe, „an diesen Punkt“ zu bringen. Was genau damit gemeint ist, bleibt offen. Aber die Sprache ist eindeutig: Sie ist nicht Subjekt, sondern Versuchsanordnung.
Später wird Maria Drokova tatsächlich im Umfeld Epsteins auftauchen — als PR-Beraterin. Gerade dadurch bekommt diese frühe E-Mail Gewicht. Sie zeigt nicht nur einen Kontakt. Sie zeigt den Moment, in dem eine Person aus einem politischen Milieu in Epsteins Umlaufbahn gezogen wird.
Der Fall Masha ist deshalb so interessant, weil er das Netzwerk anders beleuchtet: Epstein suchte nicht nur Opfer oder Geliebte. Er suchte Menschen mit Zugang, Wirkung, Symbolkraft. Junge Frauen, die nützlich sein konnten — als Kontakt, als Experiment, als Projekt.
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Der Beitrag verfällt am 21.11.26 02:42.
